Eine gemeinsame Umfrage des Bundes der Münchner Bürgerinitiativen e.V. (BMBI) und der Bürgerinitiative Liebe zur Augustenstraße bestätigt, was beide Initiativen seit Langem befürchten: Die Menschen, die täglich am stärksten von der geplanten Straßenumgestaltung betroffen sind, werden bei den Planungen kaum gehört. BMBI und Bürgerinitiative fordern die zuständigen Stellen auf, vor jedem Baubeginn den verbindlichen Dialog mit den Geschäftsinhabern zu suchen.
Die Augustenstraße ist keine beliebige Einkaufsstraße: Sie ist ein gewachsenes Ökosystem mit tief verwurzelten Kleinstbetrieben. 45 % der Einzelhändler sind seit mehr als 30 Jahren am Standort ansässig, der älteste Betrieb seit 1947. 64 % der Betriebe ziehen Kunden aus über 3 km Entfernung an – aus anderen Stadtvierteln und dem Umland. Die Straße ist kein reiner Nahversorger, sondern Anlaufstelle mit überregionaler Bedeutung.
70 % der Betriebe haben einen Kundenstamm von über 50 % Stammkunden, davon 29 % sogar über 75 %. Diese Bindung basiert auf persönlicher Nähe und Erreichbarkeit. Das Auto ist mit 43,7 % Ø-Anteil das meistgenannte Anreisemittel der Kunden, gefolgt von Fußgängern (30 %) und ÖPNV (27%). Das Fahrrad liegt bei 12,7 %, die Radinfrastruktur ist also nicht der kritische Engpass.
Bereits heute ist die Parksituation kritisch: 80 % der Betriebe erleben täglich (30 %) oder mehrfach pro Woche (50 %) Kundenbeschwerden über Parkstress. Unter den Betrieben, deren Kunden in Einkaufszentren ausweichen, nennen 87 % den Faktor Parken als Hauptgrund.
Der Lieferverkehr verschärft die Situation: 68 % der Lieferungen erfolgen durch Paketdienste, 41 % durch Großhändler mit LKW. Der Schwerpunkt liegt zwischen 10 und 16 Uhr in der Hauptkundenzeit.
67 % der Betriebe wünschen flexible Kurz-Haltezonen (statt starrer Zeitfenster oder Lastenrad-Pflichtlösungen, die beide abgelehnt werden).
Peter Büscher, Sprecher der Bürgerinitiative Liebe zur Augustenstraße, die seit 66 Jahren in der
Straße verwurzelt ist:
„Die Befragung hat ergeben, dass es für viele Läden das Aus bedeuten wird und eine gewachsene Struktur – insbesondere der Abschnitt Gabelsberger- / Theresienstraße – einer Ideologie zum Opfer fällt. Wir haben hier eine Versorgungsstraße, die, wie der Name schon sagt, der Versorgung dient. Dafür hatte man auch die Kurzparkzonen geschaffen: Hier wird das Auto benötigt und es führt zu keinen Problemen. Wir sind 66 Jahre in dieser Straße – und es gibt nachweislich keine Unfallauffälligkeiten.“
„Vor über 30 Jahren hatte ich genau das von der Stadt gefordert – und wurde belächelt. Heute kann ich über diese erneute Fehleinschätzung nicht mehr lächeln.“
Peter Büscher, Bürgerinitiative Liebe zur Augustenstraße
Die Umfrageergebnisse sind eindeutig: 95 % der antwortenden Betriebe (n = 19) lehnen den geplanten Umbau ab, 63 % klar dagegen, 32 % eher dagegen, 5 % dafür. Drei Betriebe enthielten sich.
55 % der Betriebe sehen ihre Geschäftsexistenz gefährdet. 52 % erwägen Schließung oder Verlagerung ernsthaft, davon 10 % als bereits konkret notwendig, 43 % als ernsthaft bedachte Option. Weitere 29 % berichten von großen Sorgen, obwohl sie bleiben wollen. Nur 19 % äußern sich ohne Einschränkung (n = 21, Summe 100 %). 100 % der Antwortenden haben Sorge vor Verdrängung: 63 % stark, 38 % teilweise (n = 16, Summe 101 % durch Rundung).
Besonders alarmierend: 32 % der Betriebe wussten zum Zeitpunkt der Befragung nicht einmal, dass ein Umbau geplant ist. Die Beteiligung über offizielle Kanäle wie Bezirksausschuss oder Bürgerversammlung lag bei nur 25 %.
„Diese Zahlen sind ein deutliches Warnsignal. Wir reden hier von Betrieben, die zum Teil seit über 60 oder gar 75 Jahren in der Augustenstraße ansässig sind. Das ist kein beliebiges Gewerbe, das ist die gewachsene Nahversorgungsstruktur eines ganzen Stadtviertels.“
„Bürgerbeteiligung bedeutet für uns: mit denen sprechen, die die Folgen im Alltag unmittelbar spüren und am stärksten betroffen sind. Betroffene zu Beteiligten machen. Ihnen ermöglichen, vor der eigenen Haustür mitzuentscheiden, was die Bedürfnisse sind und welche Lösungen wirklich tragfähig und praxisorientiert sind.“
Margarethe Stadlbauer, Stv. Vorsitzende BMBI
Die Gewerbetreibenden lehnen Veränderungen nicht pauschal ab. 45 % wünschen Kurzzeit-
Kundenparkplätze, 36 % den Status quo, 23 % Tempo 30, 23 % Radwege ohne Parkplatzverlust
(Mehrfachnennungen, n = 22). Was abgelehnt wird, ist nicht Verbesserung, sondern Planung über
die Köpfe der Betroffenen hinweg.
BMBI UND BÜRGERINITIATIVE FORDERN:
- Sofortige Beteiligung: Strukturierter Runder Tisch vor weiteren Planungsschritten – 73 % der
Betriebe fühlen sich nicht einbezogen (F41) - Parkkonzept: Kurzzeit-Kundenparkplätze (15-Min-Zonen / Brötchentaste) – 45 % der Betriebe
befürworten dies - Radwege ohne Parkplatzverlust
- Tempo 30
- Lieferzonen: Flexible Kurz-Haltezonen (67 % der Betriebe), und keine starren Zeitfenster
- Mobilitätseingeschränkte Personen und Praxen: Besondere Berücksichtigung bei der
Parkplanung – je 50 % der Betriebe nennen sie als Priorität - Information und Transparenz: Systematische Kommunikation an alle Betriebe -32 % waren zum
Befragungszeitpunkt nicht informiert
| PRESSEKONTAKT Margarethe Stadlbauer Stv. Vorsitzende Projektleiterin Umfrage Handelsstraße Bund Münchner Bürgerinitiativen e.V. Peter Büscher Bürgerinitiative Liebe zur Augustenstraße |
ÜBER DIE UMFRAGE 31,5 % aller Einzelhändler der Augustenstraße befragt (n = 22) Branchenmix: 41 % Einzelhandel | 14 % Dienstleistung | 9 % Handwerk | 5 % Gastro | 5 % Praxis | 27 % Sonstiges Erhebungszeitraum: Februar 2026 · Methode: Papier Fragebögen / Analog Hinweis: Mehrfachnennungen ergeben Summen über 100 %, Einfachfragen 100 % |
